Autor Thema: wie ich zu meinem Opel kam  (Gelesen 425 mal)

Offline SK

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wie ich zu meinem Opel kam
« am: 16. Dezember 2018, 14:32:27 »
Hallo zusammen !

So ca. 3 Jahre ist es her, dass ich mit meinem B Kadett Projekt begonnen habe.
Natürlich habe ich mich direkt im passenden Forum registriert und wurde nett aufgenommen.
Viel habe ich hier gelesen und einiges dazu gelernt.
Bereits am Anfang habe ich den Entschluss gefasst:
Wenn mein Auto mal halbwegs fertig ist, dann werde ich hier meine Geschichte erzählen.

Ich fang dann mal an:

Die Liebe zum Motorsport, zur KFZ Technik und im besonderen zu alten Autos treibt mich schon viele Jahre an. Einige Projekte wurden bereits vollendet, aber auf jedes Ende folgte irgendwann die Suche nach einem neuen Anfang.
So war es auch 2014, außer Waschen gab es Im Fuhrpark einfach nichts zu tun.
Und Waschen ist zugegebener Maßen nicht meine Lieblingsarbeit.

Es musste also ein neues Projekt her.
Sportlich sollte es sein und nicht zu teuer,
lieber solide, einfach beherrschbare Technik und eine ausreichende Ersatzteilversorgung.
Die Motorisierung sollte ausreichen, um auch mal an Veranstaltungen im historischen Motorsport teilnehmen zu können. Da in diesem Bereich nicht auf Bestzeit, sondern in der Regel auf Gleichmäßigkeit gefahren wird, muss die Motorleistung nicht überbewertet werden.
Und dann waren da noch die Traumautos aus den Kindertagen.

Opel Kadett B Coupe F

Und so kam es dann.
Die Suche wurde in 2015 intensiviert.
Als Einstandsbudget hatte ich mir 4000.- gespart. Das Angebot war damals schon dünn, aber noch deutlich besser wie heute. Ich bildete mir ein, das es gelingt für die erwähnten 4000.- ein Auto fahrtüchtig und mit Tüv zu kaufen.
Nach fast einem Jahr suche musste ich feststellen, das dass dünne Angebot Ende 2015 noch dünner geworden ist.
Eine Anzeige gab es allerdings bei mobile, die ich schon eine ganze zeitlang verfolgte.
Zwischendurch wurde das Auto auch bei eBay angeboten, fand aber keinen Abnehmer.
Ein B Coupe in grün metallic. Der Preis lag leider  deutlich über meinem Budget.
Im Januar 2016, kurz vor meinem 50. Geburtstag war es dann meine Frau, die den entscheidenden Anstoß gab.
Sie meinte, wir sollten uns das Auto einfach mal anschauen.
Ich glaube, es war der 09.01.2016, als wir einen Ausflug Richtung Dortmund machten, mit dem Ziele jenes Auto zu besichtigen.

Die Probefahrt bei der Besichtigung fiel kurz aus.
Es regnete in strömen und der Tank enthielt deutlich mehr Luft als Benzin.
Nach vielen Startversuchen sprang der Motor widerwillig an.
Es folgte eine längere Warmlaufphase weil ein kontrolliertes Anfahren mit Choke kaum möglich war. Der Motor starb sofort ab, wenn das Gaspedal nur angetippt wurde, egal in welcher Stellung sich der Choke befand.

Da keine Tankstelle in der Nähe war, beschränkte sich die Fahrt auf ca. 3 Km, bei der eine maximale Geschwindigkeit von 60 Km/h erreicht wurde.
Ein Bremstest ließ das Auto schlagartig nach rechts abbiegen.
Die richtige Choke Stellung war schwierig zu finden, die Gasannahme war verhalten und die Beschleunigung sehr träge.
Neben vielen anderen Geräuschen gab es beim Lastwechsel aus dem Antriebsstrang immer ein komisches „Klong  Klong“ zu hören, was mir auch der Verkäufer nicht erklären konnte.
Das Auto wurde beworben als technisch top, optisch recht ok, aber nicht perfekt.
Es fielen  so Schlagworte wie: ungeschweißt und ohne Durchrostungen und es kam wie es kommen musste:

Keine Ahnung von Opel.
Der Unterboden des Autos war bei der Besichtigung klatschnass, so das ein gezieltes Suchen nach Rost oder angegammelten Stellen schon schwierig war.
Es hätte mich auch stutzig machen können, das der Verkäufer bereits nach kürzester Verhandlung 1000.- vom Kaufpreis nachließ.
Immerhin hatte das Auto Tüv bis 08.2017 und es fuhr irgendwie.
Den Rest bekommst du schon irgendwie hin, dachte ich mir und kaufte das Auto zum Preis von 4200.- .

2 Wochen später habe ich meinen Kadett mit dem Anhänger abgeholt.
Der Motor war beim Aufladen kaum zur Mitarbeit zu überreden.
Mal lief der Motor für wenige Sekunden, mal kreischte nur der Anlasser, weil sich die Zähne des Anlasserritzels offensichtlich weigerten in die Gegenstücke der Schwungscheibe zu rutschen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit gelang es den Motor am Leben zu halten und wir konnten aufladen.
Zuhause angekommen begann das gleiche Spiel mit dem Unterschied, dass das Abladen am Ende ohne Motorkraft durchgeführt wurde.

Die ersten Bilder zu Hause.

Fortsetzung folgt ...


 




Offline SK

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Re: wie ich zu meinem Opel kam
« Antwort #1 am: 16. Dezember 2018, 14:34:26 »
Die ersten Bilder zu Hause.

Offline SK

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Re: wie ich zu meinem Opel kam
« Antwort #2 am: 16. Dezember 2018, 15:49:32 »
In den folgenden Wochen wurde die Substanz der Neuerwerbung gründlicher untersucht.
Bei trockenem Unterboden fanden sich dann auch die Eine und Andere Durchrostung.
(Federaufnahme Längsträger links und Radkasten hinten rechts)

Offline SK

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Re: wie ich zu meinem Opel kam
« Antwort #3 am: 16. Dezember 2018, 15:54:34 »
Für den Fahrbetrieb musste erst mal die Technik überarbeitet werden. Neue Zündkerzen und ein Ölwechsel waren die erste Aktionen.
Es folgten neue Bremsscheiben und Beläge. Danach waren die Vibrationen und das extreme nach rechts ziehen beim Bremsen beseitigt.

An der Kardanwelle getriebeseitig gab es massiven Ölaustritt.
Da beim Fahrzeugkauf bereits eine gebrauchte Kardanwelle als Ersatzteil im Kofferraum lag, machte ich mir da aber wenig Sorgen.

Es folgte der Ausbau der Kardanwelle. Die Druckfeder war nicht mit verbaut und fehlte.
Die Welle habe ich nach einer Sichtprüfung erst mal für OK befunden. Der Simmerring im Getriebe wurde ersetzt und die  fehlende Druckfeder wurde ergänzt.
Mit der Anlassprozedure des Motors hatte ich inzwischen etwas Übung, so das Probefahrten nicht problemlos aber mit Geduld durchaus möglich waren.

Leider hat der neue Simmerring und die Druckfedern keine Abhilfe beim Ölverlust geschaffen.
Ich baute alles wieder auseinander. Diesmal schaute ich mir die Mitnehmerhülse im Getriebe genauer an.
Die sah ziemlich mitgenommen aus.
Plötzlich machte auch die ausgefräste Nut in der Ersatzkardanwelle aus dem Kofferraum Sinn und es war klar, das ein neuer Simmerring keine Abhilfe schaffen wird.

Leider ließ sich die Mitnehmerhülse nicht demontieren. Die Mutter zu lösen war kein Problem, aber abziehen ließ sich die Hülse nicht.
Das Getriebe musste also ausgebaut werden.
Die Gelegenheit war günstig, um den offensichtlich defekten Anlasserzahnkranz ebenfalls zu wechseln.

In der Eifel fand ich für kleines Geld ein gebrauchtes Getriebe. Als Draufgabe gab es für noch kleiners Geld einen 12N Motor, der mit unbekanntem Zustand einfach im Weg stand.
Nach dem Umbau offenbarte sich das neue gebrauchte Getriebe als defekt, mit Lagerschaden. Die Geräuschkulisse war extrem, so das ich diese Getriebe sofort wieder ausbaute.

Immerhin war die Mitnehmerhülse hier intakt.
Nach dieser Erfahrung beschloß ich, das nächste Getriebe direkt zu zerlegen und neu aufzubauen.
In der Bucht gelang es mir einen neuen kompletten original Opel Getriebeüberholsatz zu kaufen und ich begann mit der Arbeit.
Das alte Getriebe wurde komplett zerlegt, wobei es nicht gelang die defekte Mitnehmerhülse von der Getriebeausgangswelle zu trennen.
Diese Teile wurden dann von Getriebe Nr. 2 beigesteuert.

Die montierte Kardanwelle wurde ebenfalls durch ein neues Gebrauchtteil ersetzt.
Das Zusammenspiel der defekten Mitnehmerhülse mit dem daraus resultierendem Axialspiel hat dazu geführt,
das die Dichtlippe des Simmerrings bereits eine Spure in der Dichtfläche der Kardanwelle hinterlassen hat.

Ca. 8 Wochen später gab es erneut eine Probefahrt.
Der Anlasser kreischte nicht mehr und das Getriebe war auch dicht.
Als positiven Nebeneffekt habe ich etwas Erfahrung mit Opel gewinnen können.

Offline SK

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Re: wie ich zu meinem Opel kam
« Antwort #4 am: 16. Dezember 2018, 16:04:11 »
Die nächste Baustelle war dann das extrem schlechte Verhalten beim Kaltstart.

Nach wie vor konnte der Motor nur mit Mühe und Geduld zur Arbeit überredet werden.
Hat der Motor einmal seine Betriebstemperatur erreicht konnte man fahren, wobei die Fahrleistungen hinter den Erwartungen lagen.
VMax lag auf der Autobahn bei 125 km/h.

Die Zündung hatte ich bereits mehrfach kontrolliert, hier zeigten sich keine Auffälligkeiten.

Das einzige, was noch nicht zerlegt wurde war der Vergaser.
Also raus damit und auseinanderbauen.

So etwas hatte ich dann auch nicht gesehen.
Mit einer gründliche Reinigung und einem neuen Dichtsatz konnte das Kaltstartproblem gelöst werden.

Offline SK

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Re: wie ich zu meinem Opel kam
« Antwort #5 am: 16. Dezember 2018, 16:20:56 »
Für den Rest in 2016 war jetzt erst mal fahren und genießen angesagt.
Es fanden noch einige Verschönerungen Einzug in meinen Kadett:

Zusatzscheinwerfer, Drehzahlmesser, Rallye Lenkrad Opel Sportstahlfelgen und Sitze vom C Kadett.

Die nächste Instandsetzungsphase sollte erst im Winter 2016/2017 beginnen.
Es mussten für den nächsten Tüv zwingend ein paar Schweißarbeiten erledigt werden und außerdem ist das Fernziel ja der historische Motorsport …

Fortsetzung folgt ...

Offline herman

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Re: wie ich zu meinem Opel kam
« Antwort #6 am: 16. Dezember 2018, 16:44:37 »
Schöner Bericht, mach mal weiter. :tumb:

Offline SK

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Re: wie ich zu meinem Opel kam
« Antwort #7 am: 16. Dezember 2018, 17:21:53 »
Hallo Herman !

Danke für das Kompliment.

Viele Grüße
Stefan

Offline löffli

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Re: wie ich zu meinem Opel kam
« Antwort #8 am: 19. Dezember 2018, 16:00:50 »
Erinnert mich an mein Coupe. Da war auch der Vergaser im Eimer als ich es geholt habe.
Der Zustand vom Unterboden finde ich hervorragend. Da gibt es viele viel schlechtere Fahrzeuge und Technikkomponenten sind schnell gewechselt und immer noch verhältnismäßig preiswert. Tolle Farbe!
 Solche Berichte sind hier sehr gern gesehen  :knie: :respekt:
Rekord C Caravan 1,9l 90 PS Winterauto
Kadett B F-Coupe 1,1l 60 PS Sommerauto

Offline Uncle-Ron

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Re: wie ich zu meinem Opel kam
« Antwort #9 am: 18. Februar 2019, 19:15:59 »
Ich denke mal es geht hier nicht um deine Werbung, sondern um den schönen Auto wagen von SK.
Kadett B `73, Kadett E Cab C20XE, Kadett E CC 16v, Corsa A`83, Trabant P601, VW Touran